Das
Kloster des Heiligen Antonius von Padova zu Pacciano Vecchio,
in der Diözese von Città della Pieve gelegen, geht auf das Jahr
1496 zurück.
Alessandro
VI° genehmigte am 16. Juli des besagten Jahres den Bau des Klosters,
indem er sich an die Bewohner von Pacciano Vecchio und Panicale
wandte. Die Genehmigung, so betonte der Papst, wurde erteilt, damit
Ordensangehörige das Wort Gottes verkündigen, die Beichte abnehmen
und die heiligen Mysterien feiern.
So
wurde denn dem Bau des Klosters und der Kirche stattgegeben, nebst
einem bescheidenen Turm, einem Friedhof, Schlafsaal und Refektorium,
einem Kreuzgang, Gärten und den dazugehörigen Werkstätten.
Die
Kirche sollte dem heiligen Antonius von Padova geweiht werden.
"Das
Kloster soll sich aller Straferlasse und Privilegien erfreuen, die
auch anderen Ordenshäusern zuteil werden".
In
diesem Zusammenhang haben wir auch eine Notiz im Archiv der
Pfarrgemeinde von Panicale gefunden, die sich wie folgt liest:
"Das
Kloster der Brüder des Heiligen Antonius zu Paccian Vecchio wurde
auf Kosten der Bewohner von Panicale und Pacciano im Jahre 1496 gegründet,
auf dem Grundstück der Gefängnisse der Grafschaft Paccian Vecchio,
das von den Herren Grafen Baglioni überlassen wurde".
Am
12. Oktober desselben Jahres wird vom Kloster auf der Insel im
Trasimenischen See ein weiteres Dokument unterschrieben.
Padre
Agostino von Stroncone fasst in seiner "Umbria
Francescana" wie folgt zusammen: - Filippo Baglioni, Herr und
Graf von Pacciano Vecchio, hat dem Kapitel von Porziuncola kundgetan,
dass er an besagtem Ort ein Kloster von Observanten wünscht und das
Grundstück geschenkt.
Bruder
Lorenzo Vicario, im Einvernehmen mit dem Kapitel, gibt der Bitte
statt und schickt Bruder Salvator aus Foligno, Bruder Graziano,
Bruder Cherubino, Bruder Nicolò und Bruder Tadeo aus Perugia, die
die Baupläne für das Kloster und die Kirche zu Ehren des Heiligen
Antonius zeichnen.
Zeugen
sind Bruder Franceschino aus Gubbio, Bruder Angelo aus Pacciano,
Bruder Ginepro aus Perugia und Bruder Battista aus Spello, der am
12. Oktober die Memoiren desselben Jahres im Kloster der Isola
Maggiore zu Papier bringt.
Die
Bewohner von Paciano und Panicale beginnen den Bau auf eigene Kosten.
Zwischenzeitlich
wurde im August des Jahres 1497 ein weiteres interessantes Schriftstück
unterschrieben, aus dem die Existenz einer Kirche in besagtem Gebiet
hervorgeht. Die Autoren dieses Schriftstückes sind die Ordensbrüder
von Monteripido aus Perugia.
Kardinal
Agapito Borgia, Neffe Alexanders VI° und päpstlicher Legat, gibt
einer Bitte statt, die von den Minderbrüdern des Klosters
Monteripido aus Perugia ausging.
Diese
Bitte bezog sich auf die Abgabe eines Stück unbebauten Landes,
steinig und mit Waldbestand, von ca. 6 Fuß und der Erlaubnis, die
Steine der Kirche des Heiligen Salvatore zu verwenden in der Gegend
von Cereseto, Diözese von Chiusi, die an Pacciano Vecchio angrenzte.
Die
Schenkung erfolgt von den Dienern Marias mit Sitz in Perugia nahe
der Porta Eburnea.
Nach
Angaben der besagten Ordensmitglieder hat die Schenkung einen Wert
von 500 Gulden gemäß einer damaligen Schätzung, aber das Land
wurde um der Liebe Gottes willen geschenkt und so den Brüdern von
Pacciano Vecchio die Möglichkeit gegeben, eine neue Kirche zu bauen,
wo der Herr gepriesen werden sollte.
Der
gesamte Bau des Klosters und der Kirche wurde ermöglicht aufgrund
der Beteiligung der beiden Gemeinden Pacciano und Panicale. Da im
Jahre 1501 Carlo Ridolfi eine Zuwendung von 100 Gulden für den
Altar von S. Angelo von Panicale machte, wandten sich die Glaubensbrüder
an den Papst, damit dieser Betrag für den Bau des Klosters
verwendet werden konnte.
Trotz
zahlreicher Proteste stimmte Papst Alexander VI° der Änderung des
Verwendungszwecks zu.
Im
Jahre 1581 erhalten die Ordensbüder von Pacciano Vecchio die
Genehmigung, die Kongregation der “Cordigeri” zu gründen, die
sich als immer sehr zahlreich erwies.
Im
Juli 1642, mit Erlass aus Rom in ewigem Angedenken, soll sich dieses
Kloster in allen öffentlichen und privaten Schriftstücken als
"zu Pacciano Vecchio" betiteln.
Am
8. Oktober 1650 antwortet der Superior des Ortes, Padre Giuseppe aus
Perugia, auf eine Anfrage der Provinzkurie von S. Maria degli
Angeli, und gibt die Namen der Ordensangehörigen sowie der
Einnahmen und Ausgaben des Klosters bekannt.
Das
Kloster des Heiligen Antonius von Padova zu Paccian Vecchio, Diözese
von Città della Pieve, bewohnt von den Franziskanischen Minderbrüdern,
in den Gemeinden von Pacciano und Panicale gelegen, von ersterer ca.
eine Meile und von letzterer eine halbe Meile entfernt, nahe der
Strasse, die die beiden Orte miteinander verbindet, mitten im Wald
gelegen.
Das
Grundstück wurde von dem sehr hoch verehrten Herrn Baglioni
geschenkt, Graf der besagten Gemeinden, erwählt und gegründet auf
Kosten der beiden Ortschaften im Jahre 1496.
Diese
überließen es den Minderbrüder in gemeinsamer Verehrung des
Heiligen Franziskus, ohne jegliche Verpflichtung und Bewilligung von
Unterhalt. Im Jahre 1767 gab es einen jämmerlichen Streit wegen
eines Vermächtnisses von jährlich 26 Silbermünzen,
testamentarisch hinterlassen von Cristoforo Ranieri im Jahre
1607.
Mit
diesem Betrag sollten die Brüder täglich eine Messe feiern, bis in
alle Ewigkeit. Da nach 100 und noch mehr Jahren das Legat zu
beschwerlich erschien, erhielten die Glaubensbrüder mit regulärem
Erlass des Papstes die Erlaubnis, 260 Messen im Jahr zu lesen.
Der
Neffe des päpstlichen Stadthalters erhob öffentlich Protest, auf
den gemäß der juristischen Prinzipien der damaligen Zeit
geantwortet wurde, aber jemand machte daraus ein Drama in mehreren
Akten.
DIE
FRANZÖSISCHE REVOLUTION VON 1810
So
kam dann die französische Revolution und die damit verbundene
Abschaffung der religiösen Ordensgemeinschaften.
Der
Napoleonische Erlass vom 17. April 1810 wurde von der Consulta von Rom am 29. des gleichen Monats umgesetzt. Das Kloster
wurde am 15. Oktober desselben Jahres dem Staat übereignet. Am 20.
Oktober verließen alle Brüder das Kloster.
In
diesem Zeitraum war das Kloster unter der Leitung von Giuseppe
Copella aus Panicale und Paoncelli aus Pacciano. Als der Sturm vorüber
war, wurde das Kloster von Padre Eugenio aus Vico am 18. Nobember
1816 wiedereröffnet.
Im
Anschluss an die Unterdrückung wurde von der Heiligen Kongregation
der Bischöfe und Ordensgemeinschaften die Bitte geäußert, das
Kloster zu besuchen: diese Bitte erging an jedes einzelne Kloster
des Kirchenstaates.
DIE
ITALIENISCHE UNTERDRÜCKUNG VON 1866
Keine
besonderen Hinweise gibt es dagegen im klösterlichen Archiv, was
die religiöse Unterdrückung von 1866 anging.
Aus
anderen Quellen wissen wir, dass die erste Ausweisung vom außergewöhnlichen
Regierungskommissar Gioacchino Pepoli am 11. November 1860
veranlasst wurde, im Anschluss an die Besetzung der Marche und
Umbriens. Aber dieser Erlass beinhaltete eine Klausel: "Die
Bettelorden konnten in ihren Klöstern verbleiben, unter der
Bedingung jedoch, dass sie ihre Absicht zum Ausdruck gebracht hatten".
Von allen Klöstern wurde die Bitte zum Verbleiben ausgesprochen,
aber am 7. Juli 1866 folgte dann trotz allem die endgültige
Anordnung, die Klöster zu verlassen.
Blättert
man in den Unterlagen des Provinzarchivs von S. Maria degli Angeli,
so findet man diese historische Aufzeichnung aus dem Jahre 1882, die
vom Provinzial der damaligen Zeit, Padre Stefano von Castelpiano, an
das Generalministerium gesandt wurde.
"S.
Antonio zu Paccian Vecchio, Diözese von Città della Pieve – auch
aus diesem Kloster wurden die Ordensangehörigen gewaltsam am 24. März
1864 vertrieben", die Kirche blieb daraufhin immer geschlossen,
das Gebäude samt umliegenden Besitz sind an Außenstehende
verpachtet.